Tierorakel

Tieren wird im Schamanismus, von Medizinmännern, Seherinnen und weisen Frauen von jeher besondere Bedeutung beigemessen, denn Tiere können mühelos die Brücke zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt queren und sind in der Anderswelt genauso daheim wie in der irdischen Welt. Sie können Botschaften überbringen, uns lehren, führen oder beschützen, selbst wenn sie nicht physisch anwesend sind.

Um selbst ein Tierorakel zu erstellen, kann man flache Kieselsteine sammeln und die Tiere bunt aufmalen oder mit einem wasserfesten Stift skizzieren. Für die unten angeführten Tiere brauchst man 17 Steine. Es sind dies die Tiere:

Pferd, Bulle, Kuh, Hirsch, Reh, Fuchs, Adler, Widder, Rabe, Bär, Wolf, Eber, Hund, Katze, Eule, Amsel und Biene.

 

Zur Orakelbefragung gibt man die Steine in einen Stoff- oder Lederbeutel. Am Ruheplatz zündet man eine Kerze an, zentriert sich, indem man ein paarmal tief ein- und ausatmet und formuliert eine Bitte oder Frage, wie zB "Welches Tier, welche Kraft und Qualität möchte mich jetzt und in nächster Zeit begleiten?" oder "Welche Botschaft möchte mir jetzt durch eines der Tiere übermittelt werden?" Man stellt immer nur eine Frage! Dann in den Beutel greifen und einen Stein herausnehmen. Um die Antwort zu erfassen, sollte man aber nicht nur die Worte ablesen, sondern auch versuchen, sich in das Tier hineinzuversetzen - welche Verhaltensweisen hat es, welche Gefühle und Assoziationen weckt es in mir, wie verhält es sich in freier Natur, welche Erlebnisse oder Geschichten fallen mir zu dem Tier ein, usw.

 

Einige Tiere mit ihren charakteristischen Eigenschaften:

Das Pferd

ruft uns auf, in der physischen Welt oder auch den inneren Welten auf Reisen zu gehen. Pferde sind Herdentiere und brauchen Gemeinschaft, sie haben große physische Kraft und Ausdauer, sind aber gleichzeitig sehr feinfühlig und besitzen eine hohe Sensitivität.

 

Der Bulle

symbolisiert physische Kraft und Mächtigkeit, Überzeugungskraft und Fruchtbarkeit. Als vorbildlicher Wächter seiner Herde ist er seinem Besitzer von großem Nutzen. Er gilt als Zeichen von Fülle und Wohlstand.

 

Die Kuh

als heiliges Symbol und Totem der keltischen Göttin Brigid, steht für selbstlose Mutterschaft mit großzügig fließenden, heilenden und nährenden Kräften. Dieser immerwährende Strom nährender und heilender Energie steht allgegenwärtig zur Verfügung: in der Natur, in unserer Nahrung, in unseren Herzen.

 

Der Hirsch

steht für majestätische Anmut, Integrität, Unabhängigkeit und Schöpfungskraft. Als Botschafter der Anderswelt wurde er mit Cernunnos assoziiert. Dieser keltische Naturgott vereinte sämtliche schöpferische Kräfte der Natur und galt als Begleiter der großen Erdgöttin.

 

Das Reh

verkörpert Sanftheit, Anmut und Eleganz. Sein scheuer Ruf entführt uns ins Reich der Feen und lädt ein, jenseits unserer materiellen, oberflächlichen Welt den Dingen ins Herz zu blicken, um die Ursachen zu erkennen, anstatt nur die Auswirkungen wahrzunehmen.

 

Der Fuchs

ist schlau und scharfsinnig; das kennen wir bereits aus Märchen. Er weiß, wann er sich offen zeigen kann, wann er sich besser versteckt hält oder wann er Schläue und Diplomatie einsetzt. Die Herausforderung ist, Scharfsinnigkeit und Schläue nicht zu nutzen, um andere zu täuschen oder zu betrügen.

 

Der Adler

lehrt uns, das Leben im größeren Überblick und Kontext zu betrachten, um anstehende Entscheidungen mit mehr Klarheit und Objektivität zu treffen. Der Adler trifft seine Entscheidung genau im richtigen Moment, verfolgt mutig sein Ziel und zeigt keine Scheu, neues, unbekanntes Territorium aufzusuchen.

 

Der Widder

repräsentiert die Kraft, Schwierigkeiten durchzustehen und zu überwinden, um letztlich sein Ziel zu erreichen. Er steht für Stärke und Stabilität, für Ausdauer und Durchbruch. Die Herausforderung kann sein, geduldig zu bleiben und trotz Zielstrebigkeit nicht mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen.

 

Der Rabe

steht für Heilung, Einweihung und Schutz, aber auch für Zerstörung. Als Begleiter der keltischen Todesgöttin Morrigan taucht er auf, wenn etwas Altes stirbt oder vergeht und Platz macht für etwas Neues. Für die Druiden blickte er hinter den Schleier des Todes, in Vergangenheit und Zukunft und verkehrte als Botschafter zwischen den Welten.

 

Der Bär

vereint Urkraft, Souveränität, Instinkt und Intuition. Wegen dieser Eigenschaften war er in allen alten schamanischen und druidischen Zeremonien eines der wichtigsten und am meisten verehrte Krafttier. Der Name "Arthur" bedeutet im Keltischen "Bärenmann" und "Alban Arthan" für die Wintersonnenwende bedeutet "Licht des Arthur". Hier zeigt sich die Artus-Sage in ihrer tieferen Bedeutung!

 

Der Wolf

als wildes und doch sehr soziales Tier kann uns lehren, scheinbar Gegensätzliches zu vereinen. Weil er seine Intuition nutzt und nicht allein auf seine Kraft vertraut, weiß er genau, wann er Barrieren überwinden und Risiken eingehen kann. Als Gefährte und Rudeltier ist er treu, aber auch als Einzelgänger kann er problemlos überleben.

 

Der Eber

steht für Kampfgeist, Führerschaft und Ausrichtung. Der Eber lehrt uns, Richtung im Leben zu finden und mutig, kraftvoll und energisch für unsere Überzeugungen einzustehen. Die Herausforderung kann sein, erst abzuwägen, bevor mit roher, ungezügelter Kraft gekämpft wird.

 

Der Hund

verkörpert Loyalität, Treue und Vertrauen, aber auch Schutz. In der druidischen Tradition galt der Hund als Hüter der Mysterien. Um wichtige Werte zu beschützen, ist er bereit zum Kampf, unterscheidet aber instinktiv zwischen guter und böser Absicht. Die Herausforderung kann sein, nicht sofort reflexartig zuzubeißen.

 

Die Katze

lehrt uns die Fähigkeit, Situationen über längere Zeit ganz ruhig zu beobachten, ohne darauf zu reagieren. Scheinbar schlafend, aber in Wirklichkeit lauschend, nutzt sie ihre hoch entwickelten Sinne zur gleichzeitigen Wahrnehmung physischer und feinstofflicher Welten. So sehr sie die Nähe liebt, braucht sie doch auch ihre Unabhängigkeit.

 

Die Eule

steht für Weisheit und Wandel. Es heißt, sie würde den Schleier der Begrenzungen von Raum und Zeit durchdringen, sie sieht die Seelen kommen und gehen, und so galt ihr Schrei seit jeher als Omen für Tod und Geburt. Während sie lautlos durch die Nacht gleitet, nutzt sie ihre äußerst scharfen Sinne, um auf die Jagd zu gehen.

 

Die Amsel

sitzt am Torweg zweier Welten. Sie drängt uns, zu erkennen, welcher Weg jetzt für uns ansteht. Ist es der spirituelle Weg, der uns verspricht, die tiefsten Tiefen unserer Seele zu ergründen? Oder ist es die äußere Welt, die uns ruft, unseren Aufgaben und Verantwortungen nachzukommen?

 

Die Biene

zeigt uns, dass wir in Harmonie miteinander leben können, indem wir als Gemeinschaft zusammenhelfen. Sie lädt uns ein, Süße und Wunder des Lebens zu kosten und gemeinsam zu feiern. In der druidischen Tradition gab es viele Feste, und wir alle brauchen Zeiten, wo wir zusammenkommen, um Freude zu erleben.

 


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