Was ich an dir mag...

Mutter Birgit schreibt...

 

Bei einem unserer Mutterschaf(f)ts-Treffen zeigte sich mal wieder ganz deutlich, wie unzufrieden (speziell) frau oft mit sich selber ist. Die eine kann ihr Kinn nicht ausstehen, die andere jammert über ihre Nase, über ihre zu breiten Hüften oder Schultern, dem zu großen oder zu kleinen Busen, Orangenhaut, Falten und überhaupt ganz unmöglicher Figur - nicht zu vergessen die Haare! Sprich, frau ist selten mit dem zufrieden, wie und was sie ist und würde meistens viel lieber aussehen wie "die anderen" oder zumindest Teile von sich selbst austauschen. Und selbst, wenn frau mit den körperlichen Gegebenheiten so halbwegs zufrieden ist, so findet sich bestimmt irgendein anderer "innerer" Makel. Mir scheint, bei Männern ist diese Unzufriedenheit mit sich selbst nicht so weit verbreitet. Oder geben sie's nur nicht zu?!

 

Ich musste immer wieder an dieses Thema denken und fragte mich, warum das wohl so sei. Nun habe ich in einem Buch von Frithjof Bergmann (Neue Arbeit, Neue Kultur) eine interessante These gefunden, die ich euch hier mitteilen möchte:

Die Selbstunkenntnis

Frithjof Bergmann hat diese Wortschöpfung als Gegensatz zur "Selbsterkenntnis" erfunden, um zu verdeutlichen, wie wenig wir über uns selbst wissen. Er meint, dass wir gerade, wenn es etwa um unsere Wünsche geht, also darum, was wir wirklich, wirklich wollen, sehr oft im Dunkeln tappen und wir tatsächlich so etwas wie einen blinden Fleck haben. Er meint, dass wir große Schwierigkeiten haben, uns selbst zu erkennen. Dass wir unsere unterschwelligen Begierden nicht kennen, aber oft nicht einmal die bloße Form und Kontur unseres Körpers. Als Beispiel gibt er an, dass sich viele Menschen zu einer Diät zwingen, sich dabei aber unsicher sind und nicht wissen, was sie von der Wirkung halten sollen. Also warten sie. Endlich treffen sie jemanden, den sie längere Zeit nicht gesehen haben, und wenn dieser dann sagt: "Du siehst dünner aus", atmen sie erleichtert auf.

 

Noch schlimmer scheint es mit unseren Emotionen zu sein. Etwa, dass uns jemand anderer darauf aufmerksam macht, dass man deprimiert oder traurig wirkt, ohne dass man es bisher selber bemerkt hätte. Erst ein Blick in den Spiegel zeigt einem dann vielleicht, dass man tatsächlich abgeschlagen und fertig aussieht.

Andere können uns auch oft viel besser sagen, welche Farbe oder welches Kleidungsstück zu uns passen würde - und das, obwohl sie uns gerade mal ein paar Minuten gesehen haben.

 

Auf der anderen Seite aber haben wir ein wunderbar klarsichtiges Wissen um andere Menschen und um sehr viele andere Dinge in der Außenwelt. Unsere Begegnungen mit anderen Menschen sind daher sehr erstaunlich und asymmetrisch.

"Wir stehen uns gegenüber, ein Ich und ein Du. Wir beide tappen, was uns selbst angeht, im Dunkeln. Aber ich weiß, dass Du mit Deinen Augen sehr viel klarer sehen kannst, was ich bin, als ich selbst, und dasselbe gilt umgekehrt. Du sitzt da und hast das Gefühl, von mir erkannt zu werden. Das erzeugt mit einem Schlag eine ganz erstaunliche enge wechselseitige Verbindung. Wo es um Dich selbst geht, bist Du verloren, aber ich habe ein Augenpaar, mit dessen Hilfe Du Dich selbst kennen lernen könntest; und umgekehrt ist es genauso. Darum brauchen wir einander auf die allergrundlegendste Weise. Wir sind dermaßen miteinander verbunden, dass man sich auch vorstellen könnte, wir seien ein einziger komplexer Organismus mit vier Augen."

 

Das heißt, dass uns andere Menschen auf eine endgültige und tiefgehende Weise in vielem wahrscheinlich schneller und besser erkennen als wir uns selbst, und dass wir anderen in manchen Dingen mehr vertrauen sollten als unserem eigenen Urteil... Das habe ich so noch nie betrachtet. Setzt aber voraus, dass wir sehr gut zuhören lernen, um alle Nuancen wahrzunehmen, die da gesagt werden. Und auf der anderen Seite ist natürlich auch die Frage, wie ich mein Gegenüber wahrnehme und ihm meine Beobachtungen über ihn kundtue - in Liebe?!

 

Wir könnten es immerhin wieder wie ein Spiel angehen und einmal schauen, was einem andere so alles über uns selbst verraten können. Und dann darüber staunen... Wir schauen in die Welt hinaus, nur um uns selbst besser kennen zu lernen. Oder wie Goethe dies formuliert hat:

 

Man muss sich selbst verlassen und in die Welt gehen, um zu sich selbst zu kommen.

 

Also, liebe Frauen (und auch Männer)... Glaubt euren Freunden, die euch sagen, dass die Figur super ist, so wie sie ist, dass euer Kinn perfekt ist und die Hüften und überhaupt alles an euch :) Ihr seid es wert, geliebt zu sein - vor allem von euch selbst!!!


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Kommentare: 1
  • #1

    Tamara (Donnerstag, 21 Juli 2016 11:43)

    ~ uur schön!!!! :)

    Danke fürs Teilen! *