Der sprechende Papagei

Mutter Birgit schreibt:

 

Ein Spaziergang und eine interessante Begegnung

 

Gestern war ich mit meiner Tochter Judith spazieren, und wir sind bei einem Garten vorbeigegangen, in dem ein sprechender Papagei auf einer Wäschespinne saß. Es war sehr entzückend und faszinierend, dem plappernden, singenden, pfeifenden Tier zuzuhören. Er begrüßte uns artig mit "Servas, griaß di!" und sang uns dann mit der Ansage "Rico, singen!" ein sehr menschliches "Hollare diria, hollare gugu" vor. Judith fragte mich, ob das ein echter Papagei wäre, denn es klang so, als würde ein Tonband, eine CD ablaufen. Als ich dann auch den Besitzer kennenlernte und er uns einiges über seinen 29-jährigen Papagei von der Elfenbeinküste erzählte, war mir klar: Der Papagei WAR ein lebendes Tonband! Alles, was man - wahrscheinlich öfter - zu ihm sagte, speicherte er und gab es in genau der Stimmqualität wieder. Er hörte sich an wie sein Besitzer! Hatte er anfangs wahrscheinlich einfach nachgeplappert, was man ihm vorgesagt hatte, so hat er mittlerweile auch gelernt, wann man welche Aussage verwendet und setzt dies scheinbar sinnvoll ein. Was er da allerdings von sich gibt, weiß er zum Glück nicht. Wenn zum Beispiel jemand in den Garten glotzt, schreit er ihm entgegen: "Wos schaust denn so deppert?!" oder wenn er selbst irgendwo hin macht, sagt er mit einer bestimmten Stimme: "Rico Haufi gmacht" oder so ähnlich, und mit einer anderen Stimme: "Host scho wieder überall hingschissn - Schweindi!" Tja, also es war höchst faszinierend, aber denkwürdig zugleich.

 

Nachdenklich...

 

Ich muss an meine Kinder denken... Wie sie mich imitieren, wie sie im selben Tonfall meine Schimpftiraden wiederholen und sich gegenseitig herumkommandieren. So, wie ich das offenbar gelegentlich mache. Was gebe ich da weiter?! Ich höre mir selbst zu, wenn Dinge aus meinem Mund kommen, die mir schon bei meinen Eltern auf die Nerven gegangen sind. Warum kommt das aus mir heraus?!

 

Offenbar funktionieren wir auch nicht anders als Tonbandgeräte. Wir sind nicht anders als dieser sprechende Papagei! Bis zum 7. Lebensjahr saugen wir alles auf, funktionieren wir wie ein Recorder - wir nehmen einfach alles auf, was wir hören, sehen, fühlen, schmecken, riechen. ALLES, einfach alles. Es geht über in unser Unterbewusstsein und wird dort gespeichert. Nun ist es aber leider so, dass wir 90% des Tages aus dem Unbewussten heraus leben, dass wir quasi wie ferngesteuert durch die Gegend laufen und unser Unbewusstes die Kontrolle über uns hat. Das heißt, wir sagen Dinge, die wir von Kind auf abgespeichert haben, wir tun Dinge in einer angelernten Weise, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir funktionieren reflexartig, wir reagieren bloß auf unsere Umwelt, anstatt bewusst zu AGIEREN. Ja, es scheint, als hätten in der Situation wir gar keine Möglichkeit oder vielmehr gar keine Zeit, anders zu handeln.

 

Als Erwachsener wird uns zumeist kurz danach bewusst, was da abgegangen ist, und dann ärgern wir uns vielleicht noch über uns selbst, dass wir so und nicht anders gehandelt oder etwas gesagt haben, das wir auch etwas liebevoller hätten ausdrücken können. Und sobald ein Funken Bewusstheit da ist, scheint es nur noch schlimmer zu werden, weil uns unsere unbewussten Phasen danach noch viel stärker auffallen und stören.

 

Wie wird aber aus dem sprechenden Papagei ein Mensch???

 

Tja, der Papagei im Garten wird wohl nie zu der Bewusstheit gelangen, WAS er da sagt und dass er es auch anders formulieren könnte, auch wenn er es schon recht gezielt einsetzen kann. Wie aber sieht es mit uns Menschen aus? Wir müssen leider davon ausgehen, dass sich auch unser Unbewusstes nicht "von selbst" ändern wird. Das heißt, solange wir nicht die bewusste Führung über unser Denken, Sprechen und Handeln übernehmen - also die Verantwortung über unser Tun, werden uns immer irgendwelche unbewusst abgespeicherten Dinge "dazwischen kommen". Und die hören sich dann immer gleich an - wie ein Tonband, sozusagen. Was also tun?! Ich habe ein paar wenige Ideen zusammengetragen, und die können gern vervollständigt werden! Wie so vieles müssen aber auch diese regelmäßig angewandt und eingeübt werden.

 

Ein paar Hilfestellungen:

 

Die eine Sache wäre NLP - Neuro-linguistisches Programmieren: Hier geht man davon aus, dass Prozesse im Gehirn wie auf einer Computerfestplatte gespeichert werden, dass manche dieser Prozesse jedoch schädlich für uns sind. Mit NLP kann man solche schädlichen Programme verändern und positive Programme "installieren". Wie das geht, lese jede bitte selber nach. Ich habe selbst noch keine Erfahrungen damit gemacht, wäre aber neugierig.

 

Eine andere Idee wäre, gezielt an seiner Sprache zu arbeiten und sich die "gewaltfreie Kommunikation" nach Marshall Rosenberg einmal genauer anzuschauen. Es soll laut Wikipedia Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. Wen es interessiert, der schaue bei folgender Veranstaltung am 22. Mai 2016 in Bad Vöslau vorbei!

 

Was IMMER wichtig wäre: Im Moment zu sein, also so gut es eben geht im Hier und Jetzt zu leben. Wie macht man das?! Die besten Antworten darauf hat meiner Meinung nach Eckhart Tolle. Ich kann sein Buch "Jetzt!", seine vielen Vorträge (auch auf YouTube) oder etwa sein Hörbuch "Torwege zum Jetzt" nur wärmstens empfehlen! Zwei kleine Übungen daraus:

 

* Für ein paar Minuten die Augen schließen und die Stille hören, die allen Geräuschen zugrunde liegt.

* Den Körper von innen spüren, angefangen zB bei den Handflächen. Kann ich meine Hände spüren, auch wenn ich sie nicht sehe und nicht bewege?! Kann ich meinen ganzen Körper von innen spüren? Und das sogar während ich etwas mache?

 

Und was machst DU, um ins Jetzt zu kommen und mehr als ein sprechender Papagei zu sein???

 


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