Oje, die Mama ist krank...

Wie begegne ich mir selbst liebevoll?

Mutter Birgit schreibt...

 

Tja, jetzt hats mich "erwischt"... Mit Halskratzen und Druck im Kopf hat es sich schon angekündigt, aber ich wollte unbedingt noch den Tag so verbringen, wie er geplant war und nicht einfach "schlapp machen". Wir waren viel an der frischen Luft, und der Wind ließ mich frösteln. "Nein, nein - das packst du schon noch, durchhalten!, - es war ja auch ein schöner Tag mit guten Gesprächen und einem feinen, lang ausgedehnten Mutterschaf(f)ts-Frühstück. Obwohl ich mich insgeheim nach meinem Bett sehnte. Am Nachmittag begann die Nase zu laufen, und gegen Abend war der Schnupfen so richtig da, gefolgt von Kopf- und Gliederschmerzen und einer dumpfen Nacht.

 

Am nächsten Tag wusste ich, ich wollte nicht außer Haus gehen, sondern wenn möglich in mein Bett zurück - was also tun?! Es gehört ja schließlich zum Mutter-Sein, dass man nie krank sein kann und darf... Und ich weiß natürlich, dass viele, viele Mütter nicht so ganz einfach jemanden um die Ecke haben, der ihnen helfen kann. Ich weiß, wie schrecklich sich das anfühlt, wenn einem hundeelend zumute ist und trotzdem den Alltag (mit Kindern) bewältigen muss.

 

Diesmal war es aber anders...

Zum Glück habe ich eine ganz, ganz liebe Nachbarin, die morgens schon ihre Runden dreht, die hat mir meine beiden Mädls mit in den Kindergarten genommen. Den Vormittag habe ich dann noch so irgendwie rübergebracht mit meinem Sohn, ein bisschen was wegräumen, Autos und Bausteine spielen, aber ich hörte mein Bett schon SEHR laut rufen und sehnte mich schon nach dem Mittagsschläfchen meines 1 1/2-Jährigen ;) Eine liebe Bekannte hatte ich gebeten, ob sie mir mein Obst- und Gemüsekisterl vom Bauern mitbringt, die kam kurz vor Mittag vorbei.

 

Und da konnte ich etwas Bemerkenswertes feststellen:

Wir standen da in meiner Küche an der Tür, sie mit Blick auf die (zusammengeräumte) Küchenzeile, ich mit Blick auf den UR-dreckigen Frühstückstisch, den ich noch nicht sauber gemacht hatte. Während der ganzen Unterhaltung war es mir furchtbar unangenehm, dass dieser Tisch so dreckig war, ich sagte es sogar einmal laut. Und die Gedanken rotierten, was sie sich wohl darüber denken könnte und wie peinlich das denn nicht wäre. Das hätte ich doch längst erledigen können, blablabla.... Mir fällt nun im Nachhinein auf, dass ich sehr oft die Aufmerksamkeit auf die Dinge an und um mich lenke, die NICHT passen. Dabei ist ihr vielleicht der Tisch nicht einmal aufgefallen. Abgesehen davon, dass es genug Gründe gäbe, warum dieser Tisch eben gerade NICHT abgeräumt und abgewischt war.

 

In jedem Fall ist mir nach dieser Begebenheit wieder das Thema eingefallen, dass echte Liebe und echtes Mitgefühl doch erst dann stattfinden können, wenn wir Menschen uns als Subjekte begegnen und nicht als Objekte. Ich habe also festgestellt - nachdem ich immer wieder in dem Modus drin bin, mich selbst "niederzumachen" - dass ich erst einmal mir selbst als Subjekt begegnen muss, bevor ich auch anderen so begegnen kann. Wenn ich mich selbst ständig herabwürdige... woher soll es dann kommen, dass ich anderen gegenüber verständnisvoll, liebevoll, achtsam und wertschätzend gegenüber sein kann?! Und das beginnt wohl gerade dabei, mir den dreckigen Küchentisch bewusst zu machen. Wer außer mir verlangt denn, dass dieser Küchentisch JETZT geputzt sein sollte?! Obwohl ich mich krank fühle, den gestrigen Tag nicht daheim war, ganze Woche schon allein mit den Kindern war, und und und...

 

Was heißt es, mir selbst als Subjekt zu begegnen?

Das ist die Feststellung: Ach ja, ich fühle mich nicht wohl! Was brauche ich JETZT? Ruhe, Bettwärme, ein homöopathisches Mittel, eine gute Suppe, zum Beispiel. Kann ich mir das alles selbst geben oder brauche ich Hilfe von außen? In der Früh kommt, wie gesagt, die Nachbarin und bringt die Kinder in den Kindergarten. Mist - Geschirrspülertabs nicht eingekauft. Sie hat auch angeboten, für mich einkaufen zu gehen. Als ich sie nochmals anrufe, ist sie grade aus dem Geschäft rausgegangen - "du kannst meine haben, ich verwende meinen Geschirrspüler so gut wie nie", sagt sie und bringt sie später vorbei. "Gelsemium"-Globulis fühlen sich stimmig für meine Erkältung an, ist aber nicht im Haus. Ich schreibe meiner lieben Bekannten, ob sie das daheim hat und sie bringt sie zusammen mit meiner Gemüsekiste. Zwei Stunden Schlaf, während mein Jüngster auch seinen Mittagsschlaf hält. Während die Gemüsesuppe am Herd kocht, liege ich auf der Couch und schreibe. Ich weiß, die Mädchen wurden bereits von der Oma abgeholt und sind gut versorgt. Wenn mein kleiner Clemens aufwacht und mit mir gegessen hat, kommt Oma und holt auch ihn ab, und ich kann nochmal zurück ins Bett. Was für ein Segen!

 

Und dann - was kann ich mir weiter Gutes tun?! Nasenbalsam von WALA für die schmerzende Nase, irgendwas für die schmerzenden Gelenke wäre nicht schlecht.... ich habe selbstgemachten Pechbalsam daheim, der für Husten aber auch Gelenksentzündungen gut ist. Mal ausprobieren... Allein das Einreiben damit, die bewusste Hingabe an die schmerzenden Stellen, und das sind viele, bewirken schon Linderung. Es fühlt sich gut an! Im Bett liegend achte ich bewusst auf meinen ganzen Körper, ich bleibe bei mir... und im JETZT. Auch wenn immer wieder mal ein Gefühl von schlechtem Gewissen aufkommt, weil ich da "so faul im Bett herumliege". Nein, heute nicht! Schuldgefühle und negative Gedanken dürfen heute draußen bleiben!!! Heilen beginnt im Kopf...

 

Ich denke, es geht hier gar nicht darum, dass ich gesegnet bin mit hilfsbereiten Menschen um mich herum - oder doch?! Denn wenn ich mir selbst diese Hilfe von außen nicht erlaube, weil ich gelernt habe, als Mutter "ist das eben so" (und hat das so zu sein), dann erkenne ich diese Hilfe ja gar nicht und kann es nicht zulassen. Dann setze ich mich erst gar nicht zum Telefon und bitte einfach darum. "Gib dir selbst, und dir wird gegeben" - so heißt glaube ich ein Ausspruch von Jesus. Oder in dem Fall "Hilf dir selbst, und dir wird geholfen", genau dasselbe.

 

Zuerst ist das Bewusstsein da - erst DANN die helfenden Hände von außen!

 

Und die Dankbarkeit und die Demut! Vielen lieben Dank euch allen - allen voran meiner lieben Schwiegermama - und auch mir selbst!!!

 

Wertvolle Tipps bei Erkältungserkrankungen gibt es übrigens demnächst!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine (Samstag, 23 April 2016 21:11)

    Gute und vor allem ganz schnelle Besserung!
    Krank sein mit Kindern ist kein Spaß, nein.
    Aber ich finde es schön, dass du so viel Hilfe von außen nicht nur hast, sondern doch auch annehmen kannst. Gönn dir die Zeit im Bett und komm wieder zu Kräften - du wirst sie brauchen :)
    Alles Liebe!