Mama muss auch mal aufs Klo...

Mutter_Birgit schreibt...

 

Auch Mamas haben Bedürfnisse

Ich weiß nicht... wie geht ihr, liebe Mütter, mit dem Thema "Groll, Ärger, Zorn, Wut" um?! Gerade bei uns Müttern scheint es doch immer was zum Ärgern zu geben, oder?! Ich hab mal den weisen Rat bekommen, ich solle mich nicht so viel ärgern - aber wie macht man das bitte schön?! Ist es nicht einfach ein Grundbedürfnis, ausreichend Schlaf zu bekommen oder dann essen oder mal aufs Klo gehen zu wollen, wenn es eben dringend sein muss?! Als frischgebackene Mutter (also mit kleinem Baby meine ich) ist es nur natürlich, seine eigenen Bedürfnisse zurückzustecken und jede Sekunde für dieses kleine, neue Wesen da zu sein. Da gibt es gar keine Diskussionen. Oder eben doch?!

 

Denn ganz leise schleicht sich nach einiger Zeit vielleicht doch der Groll darüber ein, dass die eigenen Bedürfnisse ständig zu kurz kommen, ja quasi "mit Füßen getreten" werden. Und aus dem anfänglichen Groll kann ein ausgewachsener Zorn heranwachsen. Gepaart natürlich mit einem Riesenberg an Schuldgefühlen, weil - was kann denn dieses kleine, zerbrechliche Wesen dafür, auf das man seinen Ärger richtet oder das zumindest unmittelbar damit verbunden ist. Als Mutter, so meint frau, hat sie liebevoll, gelassen und fürsorglich zu sein und nicht genervt, wütend, überfordert und mit den Nerven am Ende. Die "anderen" wären das NIE, so denkt frau... alle anderen Mütter wirken doch immer so gelassen, mitfühlend und einfühlsam ihren Kindern gegenüber. Und frau wundert sich, ob die denn keine eigenen Bedürfnisse haben...

 

Gut, bei näherem Hinschauen sieht es dann manchmal doch anders aus, dann könnte man bisweilen erkennen, dass auch bei den "anderen" nicht immer alles vollkommen harmonisch abläuft. Oder wird da bei einzelnen Frauen Wut und Groll auch sehr leicht mal runtergeschluckt - als gutes Vorbild sozusagen?!

 

Liebevoller Umgang - was heißt das?

Was bedeutet denn überhaupt "liebevoll" mit seinen Kindern umzugehen? Heißt das, den ganzen Tag mit lieblich-hoher und leiser Stimme zu säuseln und den Kindern jeden Wunsch von den Lippen abzulesen? Oder heißt es, auf strenge Erzieherin zu machen, damit die Kinder von klein auf lernen, wie sie sich zu benehmen haben?! Es scheint für die meisten von uns immer noch keine Alternative dazu zu geben, entweder den Erziehungsstil unserer Eltern und vorherigen Generationen weiterzuführen oder ins vollkommene Gegenteil zu verfallen oder beides abwechselnd zu praktizieren.... Dabei gibt es eine Alternative, die Kinder UND Mütter gleichermaßen rücksichtsvoll und liebevoll behandelt.

 

Diese Art, miteinander umzugehen, ist zwar liebevoll, aber nicht ohne Konflikte und Auseinandersetzungen - die wir oft zu vermeiden suchen - ganz im Gegenteil! Man geht dabei immer von sich selbst aus, was natürlich auch ganz verpönt ist heutzutage - wie kann man bloß so egoistisch sein?! Dabei ist es so wichtig, die eigenen Bedürfnisse überhaupt erst zu erkennen und seine Gefühle zuzulassen und auszudrücken lernen, bevor man auch die Bedürfnisse anderer (an-)erkennen kann.

 

Das humanistische Weltbild

Um eine echte Alternative im Umgang mit anderen Menschen, insbesondere Kindern zu finden, ist es jedoch notwendig, zu einer humanistischen Weltanschauung und zu einer neuen inneren Haltung zu gelangen. Diese humanistische Einstellung geht davon aus, dass NIEMAND von Grund auf böse ist, dass NIEMAND grundsätzlich GEGEN jemanden anderen handelt, sondern immer nur FÜR sich selbst. Dass es aus der Sicht desjenigen also immer einen selbstbezogenen Grund für sein Handeln gibt. Dabei ist es aber besonders wichtig, sich auf gleicher "Augenhöhe" zu begegnen und nicht ÜBER den anderen zu stellen. Sprich: ICH habe meine Bedürfnisse und DU hast auch deine Bedürfnisse. Zu dieser Haltung gehört daher auch das Wissen, dass das Leben selbst nur durch Grenzen erfahren werden kann, ausgehend von einer einzelnen Körperzelle mit einer klaren Grenze hin zu den äußerlichen Körpergrenzen und dann eben weiterführend zu klaren Grenzen im Umgang mit anderen. Dass ich innerhalb meiner Grenzen vollkommene Freiheit habe, dass Grenzen erweiterbar sind, aber dass die Freiheit des einen dort aufhört, wo die Grenze eines anderen beginnt. Das Thema "Grenzen" selbst ist wohl grenzenlos zu diskutieren, zumal es doch am wichtigsten wäre, dass man Grenzen als Sicherheit und nicht als Be-Grenzung, also als Freiheitsraub erleben kann. Nun aber zurück zum ursprünglichen Thema...

 

Liebe Mütter... was bedeutet das alles ganz praktisch für unser Leben?! Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele von Euch schon sehr genau Bescheid wissen. Ich habe das Gefühl, ich bin da selbst erst ganz am Anfang einer sehr fantastischen Reise zu mir selbst... UND zu anderen. Was ich jedenfalls immer wieder erkenne ist: Je besser ich auf mich selbst schaue und je besser ich mich selbst kennenlerne, desto einfacher wird der Umgang mit anderen. Ich DARF mir die Erlaubnis geben, meine Bedürfnisse offen auszudrücken. Ja, es ist eine Notwendigkeit, das zu tun. Denn je mehr ich meine Bedürfnisse, also mich selber unterdrücke, desto mehr wachsen Wut, Groll, Zorn und diese ganze Palette an negativen Gefühlen an. Und die brechen dann oft sintflutartig hervor... Also - lieber gleich mal den Ärger ausdrücken, und sei es mit einem lauten Schrei. Keine Sorge, die Kinder verkraften das schon :) Wenn es ganz schlimm ist, muss Mama halt mal schnell aufs Klo, um wieder ein bisschen "runterzukommen". Und wer noch oder "schon" (nach längerem Praktizieren) den Nerv dazu hat, kann ja dann ganz klar artikulieren mit "Du, das hat mich jetzt ganz schön geärgert, als dies und das geschehen ist..."... immer ausgehend von den eigenen Gefühlen, nicht von dem, was der andere gemacht hat. Was wir aber meistens gelernt haben ist: "Bist du wahnsinnig, warum hast du... wie kannst du nur..." oder so in der Richtung.

 

 

Naja... es ist ein WEG, ein Prozess! Daher, liebe Mütter... auf das Gehen konzentrieren, nicht auf das Ankommen!!! Dranbleiben und nicht aufgeben! Wir sind alle Meisterinnen, die üben :-)

 

*Buchtipp*

Wer sich zu diesem Thema vertiefen möchte, dem seien die Bücher von Rebeca Wild sehr ans Herz gelebt, zB "Freiheit und Grenzen - Liebe und Respekt". 

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Kommentare: 7
  • #1

    Barbara Tomsits (Sonntag, 10 April 2016 21:41)

    Na da liebe Birgit muss ich ein Kommentar hinterlassen : Du bist ein Hammer - wie du schreibst und wie du diese Thematik mit so viel Natürlichkeit ,Liebe und Humor versinnbildlichst :D Danke -das ist der erste Blog den ich jetzt teile ..... der Countdown läuft 10,9,8,7,6,5,4,3,2,1.....0 gepostet am SO 21.40

  • #2

    Barbara (Sonntag, 10 April 2016)

    Dieses Lied widme ich heute dir ;)

  • #3

    Barbara (Sonntag, 10 April 2016 22:02)

    https://www.youtube.com/watch?v=u3NDuNQPUEQ

  • #4

    Tamara (Sonntag, 10 April 2016 22:07)

    ....Birgit, das is einfach genial!!! Das hat mich grad richtig umgehauen! Du hast wiedermal den Nagel auf den Kopf getroffen und es ist jedesmal als würdest du die Themen einfach aus dem Raum nehmen und in Worte verpacken! DANKE!!!!!!!!! ....ich glaub du hast nichtmal ansatzweise eine Ahnung wie mir grad leichter geworden is ums Herz! *zurBabslZwinker* .... ich hatte vor paar Tagen 2-3 Tage da ging garnix mehr und ich war wütend, hatte Schuldgefühle und war nur am Heulen... gestern Abend hab ich Denali's miniBabyBild angesehen , mir gedacht ...niemals hätt ich dir gegenüber laut werden können..... und ich hab mich gefragt weshalb ich nach der Geburt so gelassen war, wo ich doch kaum Schlaf hatte und mir alles wehtat... und ich jetzt wo ich wieder meine Ursprungsform zurückhab, schmerzfrei bin und alles toll sein sollte, ich am liebsten nur weinen würd und zornig bin und mich fühl als würd ich garnicht existieren..... als ich irgendwie akzeptiert hab dass ich nicht immer stark sein kann und das Recht habe mich manchmal schwach zu fühlen.... weil ich einfach auch Bedürfnisse hab die aber momentan immer wieder mal hinten anstehen.... war mir leichter.... aber als ich erkannte wie angenehm eigentlich (körperlich) alles ist im Vergleich zu nach der Geburt.... war ich dankbar.... irgendwie hab ich aufeinmal bemerkt dass nach der Geburt das MutterGefühl ganz ausgeprägt war... und ich es als meine einzige Aufgabe gesehen hab Mama zu sein... ich hatte sozusagen einen Freifahrtsschein auf alles andere zu pfeifen, denn ich war ja jetzt Mutter....das war toll!!! nur irgendwann schleicht sich auch da der Alltag ein und man glaubt es kaum... man wird plötzlich wütend.... da wo man vorher brav Lieder erfunden hat.... geduldig und liebevoll.... wird man plötzlich aus heiterem Himmel wütend...und man kanns garnicht glauben.... ICH...diese liebe Mama.... verliert die Nerven.... ....DANKE FÜR DEINE ENERGIE!!! :) du hast ein unglaubliches Gefühl dafür über Dinge zu sprechen die eine jede Mutter im tiefsten Herzen bewegen und das mit einer Art die unvergleichlich is.... herzlich und offen aber auch ur sachlich... ich find das toll wie du schreibst!!!

  • #5

    Tamara (Sonntag, 10 April 2016 22:14)

    ::::::::::::::::::>>> DANKE, weil ich mich so allein gefühlt hab mit dem Gefühl... und du mir mit dem was du geschrieben hast so ein unglaubliches Mitgefühl vermittelt hast... und ich so stark das Gefühl ghabt hab das jemand echtes Verständnis für meine Situation hat... das is grad das aller Schönste für mich!! - wo ich nichtmal irgendwem erklären konnte wies eigentlich in mir drin aussieht... ich war einfach nur fertig.... ABER DAS JEZ... war einfach nur der Hammer... es is immer schön zu sehen, dass wir alle eigentlich in ähnlichen Situationen sind und Ähnliches erleben... und sich jeder alleind amit fühlt... bis jemand darüber spricht!

  • #6

    Birgit (Montag, 11 April 2016 11:25)

    Mah, danke ihr Lieben!!! Das sind ja URschöne Rückmeldungen!!! Mit dem hab ich jetzt echt nicht gerechnet... und es freut mich SEEEHR! Yes, yes, yes - wir sind nicht allein! Aber wie du schreibst, Tamara - es muss angesprochen werden!

  • #7

    Sabine (Montag, 11 April 2016 15:05)

    Liebe Birgit,
    Durch deinen Facebook-Eintrag bin ich erst heute auf diese Seite gestoßen und ich bin wirklich begeistert von dem, was du schreibst - vom Inhalt, von der Art und Weise es zu formulieren, von der Feinfühligkeit. Schreiben war schon immer "deins". Es freut mich so unglaublich zu sehen, dass du nun einen weiteren Weg gefunden hast, deine Begabung auszuleben!
    Zu den Bedürfnissen: Da kann ich dir nur vollkommen zustimmen, wenn ich auch merke, dass in der Hektik des Alltags die Bedürfnisse der Frau hinter der Mutter meist verschwinden. Es bräuchte eine deutliche Entschleunigung, um sich derer wieder bewusst zu machen. Doch wie macht man das - entschleunigen? Wenn Termine usw. Von außen so stark diktiert werden? Ich grüble gerade...

    Ich darf dir nochmal gratulieren und mich mit dir freuen. Ich schaue hier sicher regelmäßig vorbei. Vielleicht magst du ja öfter mal auf Facebook verlinken, wenn es etwas Neues gibt ;)

    Alles Liebe
    Mama Sabine ;)