Warum bin ich Mutter geworden 2

Judith, meine Erstgeborene
Judith, meine Erstgeborene

Birgit schreibt...

 

Ja, wie geht die Geschichte weiter?!

 

In der kurzen Zeit, als Bernd und ich getrennt waren, hat sich etwas Entscheidendes in unserem Leben zugetragen. Es war eine Zeit der Klarheit und vollkommenen Verbundenheit mit sich selbst und mit Gott. Wir konnten dies beide unabhängig voneinander erleben, und dies ist wohl auch der "Grundstock" unserer Beziehung, das Fundament, auf das unsere jetzige Beziehung und unsere Familie aufgebaut ist. Ich konnte die Liebe zu Bernd und zu ALLEM so deutlich spüren wie noch nie zuvor - und nie mehr danach. In dieser Zeit WUSSTE ich einfach, dass ich bereit war, Mutter zu werden. Jedoch ohne es unbedingt zu WOLLEN und haben zu MÜSSEN. Es war so etwas wie eine "Präferenz", wie ich es damals nannte. Die Präferenz, dass Bernd wieder in mein Leben treten möge - und dass es genauso gleich-gültig wäre, wenn er dies nicht täte, und die Präferenz, mit ihm eine Familie zu gründen.

 

Als wir uns wieder annäherten, verebbte jedoch diese Klarheit und Reinheit wieder. Der Alltag schlich sich langsam wieder ein. Wir hatten weiterhin nichts dagegen, dass Kinder kommen könnten, doch es passierte nichts. Und ich legte es auch nicht darauf an, zumal immer wieder Gedanken aufkamen, ob es mir nicht allein doch besser gehen könnte. Etwa ein Jahr später wollte Bernd dann doch nochmal wissen, ob ich das mit den Kindern wirklich ernst gemeint hatte und fragte sehr unsicher nach. "Na klar will ich noch welche!" entgegnete ich ihm, und da fiel offenbar ein großer Stein von seinem Herzen. Wir trafen nun also ganz bewusst eine Entscheidung und sprachen zusammen laut aus, dass wir bereit wären für ein Kind. Bald darauf war ich tatsächlich schwanger!

 

Auch vorm zweiten und dritten Kind haben wir das so gemacht - wir haben unseren Wunsch oder vielmehr unsere Entscheidung, unsere Bereitschaft laut ausgedrückt, und bald danach kam das Kind. Das war schon sehr faszinierend.

 

Und doch war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, wie man so schön sagt. Da ich beim ersten Kind doch schon 35 Jahre alt wurde, war die Umstellung von Null auf ein Kind der echte Hammer! Abgesehen von der neuen Herausforderung, die die Mutterschaf(f)t so mit sich bringt, ging es mir auch körperlich nicht gut. Ich war schwach, zittrig, zerstreut, ängstlich - und zwar SEHR ängstlich, konnte mich nicht gut konzentrieren, konnte nicht gut schlafen, schwitzte ganz fürchterlich in der Nacht, spürte mich nicht gut. Fühlte mich eher nur in den eigenen vier Wänden wohl, mochte aber auch nicht gern allein sein. Autofahren war der absolute Horror, ich hatte große Angst vor einem Unfall, weil mir alles so schnell und so laut vorkam und ich mich sehr schlecht konzentrieren konnte. Und das nicht nur die erste Zeit, sondern eigentlich das gesamte erste Jahr lang. Erst danach begann ich mich wieder halbwegs in mir daheim zu fühlen.

 

Die Umstellung war anscheinend so krass gewesen, dass sie wie ein Schock wirkte und tatsächlich mein ganzes Leben erschütterte. Ich hatte das Gefühl, in ein neues Leben geboren worden zu sein. Alles, was "davor" war, schien plötzlich unwichtig und auch sehr, sehr verschwommen zu sein - fast wie ein Traum. Und anscheinend habe ich nach der Geburt eine andere Art von Geschwindigkeit ge- und erlebt.

 

Das Erlebnis während der Geburt meiner ersten Tochter werde ich euch bestimmt noch gesondert erzählen - und zwar nicht die äußeren Umstände, sondern das, was sich in mir abgespielt hat...

 

 

 

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