Familienleben - eine moderne Schieflage?!

Mutter Birgit schreibt...

 

Gestern erreichte mich ein frustriertes Mail einer Freundin über die "Schieflage" im Familienleben. Sie ist nun ein Jahr Mutter, selbstständig, wohnt in Wien ohne Großeltern oder hilfreiche Freunde in der Nähe, ihr Lebensgefährte ist zur Zeit in Karenz daheim, während sie ihr Büro in Kaffeehäusern, Bibliotheken und an anderen Orten aufschlägt. Sie beklagte sich darüber, dass sie die schönen Seiten des Mutterseins im Moment gar nicht sehen könne. Schließlich wäre der Vater im Moment ganztags für die Kleine da, der Haushalt bliebe aber an ihr hängen. Er würde sich also bloß die "Rosinen" herauspicken, während die unangenehmeren Dinge an ihr hängen blieben und es auch von ihr abhängen würde, ob sie in Zukunft wieder genug verdienen würde, damit sie sich eine größere Wohnung und ein halbwegs angenehmes Leben leisten könnten. Im nächsten Leben, so meine Freundin, würde sie Vater werden, da würde nicht so viel an ihr hängen... Ich konnte das alles sehr gut nachvollziehen, denn auch ich habe den zeitweiligen Frust schon öfter mal erlebt. Und das hat mich zum Nachdenken angeregt. Warum sind tatsächlich so viele Mütter überfordert und frustriert?

 

   Irgendwas ist da faul...

Ich glaube, dass was meine Freundin und ich als Frust erleben, ist hauptsächlich ein Gespür dafür, dass da irgendetwas im Familienleben schief läuft. Und ich glaube auch, dass uns unser Gefühl hier nicht trügt, sondern dass da tatsächlich "etwas" nicht stimmt. Es geht wohl um die Diskrepanz, einerseits zwar als Frau selbstständig leben zu wollen, unser eigenes Geld zu haben und nicht mehr wie früher von Männern abhängig zu sein - und natürlich auch darum, sich selbst zu verwirklichen - auf der anderen Seite aber gerade als Mutter dies alles erfüllen zu "MÜSSEN". Mit einem einzigen Gehalt kommen die wenigsten Familien durch, und es wollen auch die Väter zunehmend mehr bei ihren Familien, ihren Kindern daheim sein und weniger arbeiten, was ja verständlich ist. Oder stimmt das gar nicht und ist auch nur ein weiteres Symptom dieser Schieflage?! Frauen möglichst schnell zurück in den Job, Väter heim zu den Kindern... ist das wieder genau so etwas, das wir den Vätern abverlangen, was gar nicht in ihnen "angelegt" ist und sie in Wirklichkeit nur belastet?!

 

   Familie einst... 

Schauen wir uns das Bild der Familie vor vielen tausenden von Jahren an - oder in sogenannten "primitiven" Völkern: Die Frauen des Dorfes sind die Hüterinnen des Feuers. Sie nähren, betreuen gemeinsam die Kinder, kommen zusammen. Führen sicherlich wunderbare Gespräche untereinander und tiefgehende Freundschaften. Die Männer gehen zusammen auf die Jagd, entwerfen Waffen und "Maschinen", klügeln Erleichterungen für den Alltag aus. Sie kommen heim zur Familie mit Beute und Geschichten, die man sich am Lagerfeuer erzählt. Sie werden empfangen und können sich geborgen und geliebt fühlen. Das Dorf, die Familie, als sicherer Ort des Rückzugs voller Liebe und Zusammenhalt.

 

   ...und jetzt...

Wie aber sieht es heutzutage aus? Größtenteils isolierte Familien. Frauen, die Kinder und Haushalt - vielleicht ein großes Haus - allein bewältigen müssen, ohne genügend Austausch mit anderen Müttern. Frustriert oft, überfordert und gelangweilt zugleich. Froh, wenn der Mann nach Hause kommt als Ansprechpartner und auch, um sich ein wenig Zeit für sich zu gönnen. Während der Mann wahrscheinlich ebenso frustriert, im besten Fall nur müde, von seiner Arbeit heimkommt, die ihn nicht wirklich erfüllt. Dann schlägt ihm das Gejammere der Mutter und frustrierten Hausfrau entgegen, die Kinder schreien und streiten, und alles, was er möchte, ist ein bisschen Stille, Ausruhen, Zeit für sich...

 

Es ist ein gegeneinander Ausspielen, was heute betrieben wird. Ein bewusst gesteuertes Auseinandertreiben des Verbandes "Familie", damit wir wohl als einzelne "Personen" noch leichter zu steuern sind, könnte man sagen, wenn man nur ein bisschen was Wahres an Verschwörungstheorien findet. Denn wenn die Kinder so groß sind, dass sie ein wenig selbstständiger geworden sind - und das ist ja auch etwas, das wir von klein auf schon von ihnen verlangen - dann soll sich Frau ja zusätzlich wieder am Arbeitsleben beteiligen. Und dann wird der Frust gleich noch größer, bleibt doch neben dem notwendigen Geldverdienen und wieder Ausgeben weder Zeit für sich selbst noch für die Partnerschaft. Nun möchte ich noch gern herausfinden, was Partnerschaft in der Vergangenheit oder in diesen "primitiven" Kulturen heißt. Ich könnte mir vorstellen, dass auch die moderne "Partnerschaft" ein großer Bestandteil der Schieflage ist - ich meine damit, dass wir Frauen dann auch noch den Druck verspüren, uns um unsere Männer "kümmern" zu müssen. Und wenn nicht wir Frauen an der Beziehung "arbeiten" - ja wer dann?! Wobei dieses "um den anderen kümmern" wahrscheinlich ein in uns Frauen "angelegtes" Bedürfnis ist. Aber wie sollen wir all dem gerecht werden???

 

   Und die Lösung??? 

Das "natürliche" Gefühl in uns Frauen sagt uns vielleicht: Bleib daheim bei den Kindern, erfreue dich an deinem Mann, hab Spaß im Alltag - hilf den anderen Frauen, lass dir helfen, gründet eine gemütliche, entspannte und liebevolle Gemeinschaft. In der alles möglich ist! Die Selbstentfaltung genauso wie selbstbestimmtes Lernen (von uns Frauen und den Kindern sowieso), Freude an Beziehungen, Verantwortung übernehmen, ohne davon erdrückt zu werden. Friedvoll und glücklich sein, nicht isoliert und überfordert. Ohne allzu viel "Zeug", das man pflegen muss, und das schrecklich viel Platz und Zeit einnimmt... Also - zurück zur Steinzeit???!!!

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Samstag, 26 März 2016 16:17)

    Mah Birgit - ich bin dabei ! ich liebe Steine ;) so schön geschrieben ! Verschwörungstheorie hin oder her - Augen und Herz auf dann wird einem klar was geht !